Mühltalpost, 30.07.2025
Mühltal nutzt Flächen doppelt: Kläranlagenerweiterung mit Photovoltaik
Anregungen der AG Photovoltaik in den Entwurf des Bebauungsplans eingearbeitet
Mühltal. Ab etwa 2030 soll die Kläranlage in Nieder-Ramstadt erweitert werden. Hierzu hat der Abwasserverband Modau, bestehend aus der Gemeinde Mühltal und der Stadt Ober-Ramstadt, bereits eine 1,7 Hektar große Ackerfläche zwischen der bestehenden Kläranlage und der B426 erworben. Aktuell kann der Entwurf des Bebauungsplans „Erweiterung Kläranlage“ bis zum 15. August eingesehen und kommentiert werden.
Die Offenlage des Vorentwurfs haben wir als AG Photovoltaik Mühltal bereits für Anregungen genutzt, wie ein möglichst großer Anteil der benötigten Energie durch die Installation von Photovoltaik-Anlagen gedeckt werden kann. Kläranlagen gehören nämlich zu den größten kommunalen Stromverbrauchern, was eine Versorgung mit Erneuerbaren Energien nahelegt, ohne dabei die limitierten Kapazitäten des Stromnetzes vor Ort zu beanspruchen.
Unsere Vorschläge umfassten unter anderem die PV-Überdachung der baulichen Anlagen sowie die Nutzung der verbleibenden unbebauten Flächen mit Freiflächen-PV-Anlagen.
Für die PV-Überdachungen kommen nicht nur die Gebäudedächer in Betracht, sondern auch die Klärbecken. Innovative PV-Faltdächer wurden erst vor wenigen Jahren entwickelt und zunächst in der Schweiz etabliert, erreichen nun aber auch Deutschland.
Da die Fläche aufgrund der Kläranlagenerweiterung ohnehin der Landwirtschaft entzogen wird, erscheint eine Doppelnutzung zusammen mit Photovoltaik-Anlagen als sinnvoll. So wird dies auch von Landwirten gesehen, die unsere Vorschläge unterstützten.

Die Kläranlagenerweiterung bietet mehrere Möglichkeiten für den PV-Ausbau. Gezeigt ist hier ein PV-Faltdach der Kläranlage Schweinfurt, welches auch als Vorbild für den Abwasserverband Modau dienen kann. Foto: Michael Brooks / dhp Technology AG
Erfreulicherweise wurden die genannten Anregungen von Bürgermeister Niels Starke und seiner Verwaltung in den Bebauungsplan eingearbeitet und vom Gemeindeparlament beschlossen. Zusätzlich zur Zweckbestimmung Kläranlage erfolgte eine Ergänzung als Versorgungsfläche zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.
Sollte der Abwasserverband beabsichtigen, die Maßnahmen nicht selbst oder nicht alleine umzusetzen, schlagen wir außerdem vor, diese für externe Interessierte wie z.B. Energiegenossenschaften oder andere Investoren zu öffnen.
Unsere Arbeitsgruppe setzt sich für einen durchdachten Ausbau der Erneuerbaren Energien ein, bei dem die Belange der Bürgerinnen und Bürger sowie der Landwirtschaft berücksichtigt werden. Die Kläranlagenerweiterung bietet hierzu eine sehr gute Gelegenheit.
Dr. Stefan Mollin / AG Photovoltaik Mühltal